Jana Maria & Julian Maximilian, 2016

Julian Maximilian, 2016
Installation, ca. 230 x 115 x 250 cm

Jana Maria, 2016
Installation, ca 230 x 115 x 250 cm

installation view: There will be Blood, St. Ludwig, Munich
photo: Sebastian Schulz

 

 

Im Bezug auf die Heiligendarstellungen (Theresa von Ávila und Ludwig der IX) oberhalb der Durchgänge in den Seitenschiffen der Ludwigskirche zeigt Maria Justus zwei Menschen aus ihrem Umfeld. Auf der Rückseite befinden sich Zugänge zu den Räumen, die jeweils von der dargestellten Person mit ihren Privatgegenständen eingerichtet wurden. Die Einrichtung zeigt die private und intime Ebene der Darsteller und verschafft dem Besucher einen Zugang zum Alltag von Jana und Julian.

In der Gruppenausstellung „there will be blood“ der Klasse Professor Julian Rosefeldt, in der Ludwigskirche München, nimmt die russischstämmige Künstlerin Maria Justus in ihrer zweiteiligen, installativen Arbeit „Jana Maria | Julian Maximilian“ (2016) Bezug auf katholische Heiligendarstellungen.

In beiden Seitenschiffen der Rundbogenkirche befinden sich an den Stirnwänden, in der oberen Hälfte des Kirchenraumes, Abbildungen zweier Heiliger; links der Namensgeber der Kirche, Ludwig IX. und rechts Theresa von Ávila. Die monumentalen Fresken erstrahlen durch einen goldenen Hintergrund, der die Protagonisten erleuchtet. Statisch ruhend liegt der Fokus der Wandarbeiten auf den beiden Figuren und ihren Attributen. Der Kirchenbesucher blickt auf zu zwei heilig gewordenen Menschenkindern.

Bereits seit dem frühen Mittelalter ist das Abbilden von Heiligen nachweisbar und erlangte über die Jahrhunderte an großer Bedeutung für den christlichen Glauben. Dem Volk wurde durch die Verbildlichung eine Möglichkeit zur Bewunderung und Verehrung von Menschen gegeben, die durch ein religiös vorbildliches Leben zu Heiligen wurden. Als Gläubiger war man dazu aufgerufen (und ist es noch heute) es Märtyrern und Heroen gleich zu tun.

In der Arbeit „Jana Maria | Julian Maximilian“ interessiert sich Justus insbesondere für die Lebensläufe von Heiligen, bevor sie zu solchen wurden. In ihrer Vorstellung waren diese normale Menschen aufopfernd, trostspenden, freudeversprühend, liebevoll, zuverlässig. Sie waren demnach das, was für uns zu Lebzeiten auch Freunde sind. Darauf basierend stellt Justus im ersten Teil ihrer Arbeit den beiden Heiligenfresken zwei lebensgroße Prints von Menschen aus ihrem nächsten Umfeld gegenüber. Räumlich sind die Arbeiten „Jana Maria“ und „Julian Maximilian“ unterhalb der Fresken installiert und verdecken jeweils einen Durchgang zum Querschiff der Ludwigskirche; Julian Maximilian unter Ludwig IX. und Jana Maria unter Theresa von Ávila.

Der Bildaufbau ist den Originalen nachempfunden, wodurch Justus eine Verherrlichung eines Durchschnittsmenschen evoziert. In Alltagskleidung blicken einem zwei junge Erwachsene aus dem Jahr 2016 entgegen, selbstbewusst und ebenfalls in statischer Pose.

Während die Prints die Gänge von vorne verdecken, sind sie über ihre Rückseite zu betreten und wurden von Justus, als zweiter Teil der Installation, zu zwei kleinen Räumen umfunktioniert. Diese gewähren einen versteckten Einblick in das Leben der Dargestellten und machen die Welt ihrer Privatsphäre sichtbar. Beide Zimmer sind mit persönlichen Gegenständen ausgestattet. Jana und Julian zeigen wie sie leben, womit sie sich beschäftigen.

Durch diese Vorführung von Intimität zeigt Justus dem Besucher hinter der goldenen Fassade die Menschlichkeit ihrer Heiligen auf, und erinnert daran, dass heilig sein menschlich sein bedeutet und auch im Jetzt stattfinden kann und sollte. Geistliche und weltliche Ebene verschwimmen in dieser künstlerischen Position.

Nina Neuper